Kurz - Chronik des SPD Ortsverein Göppingen ab 1869
Die "Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP)“ wurde am 23. September 1869 von Georg Bronnenmayer in Göppingen gegründet. Bronnenmayer hatte bereits an der SDAP-Gründung in Eisenach im August 1869 mitgewirkt, bei der August Bebel zum Vorsitzenden gewählt wurde. Ein weiterer Mitgründer war Karl Liebknecht. Bronnenmayers Credo: "Nicht Herrschaft der ärmeren Klasse, sondern nur Gleichberechtigung soll das Motto sein und nur Letzteres soll und muss erstrebt werden". Schon am 23.5.1863 wurde der "Allgemeine Deutsche Arbeiterverein" von Ferdinand Lasalle in Leipzig gegründet. Er vereinigte sich auf dem Gothaer Kongress 1875 mit der SDAP zur "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands", die 1890 in SPD umbenannt wurde.
Ende 1899 wurde Christoph Blumhardt – Pfarrer und Leiter des Kurhauses Bad Boll – als erster SPD-Abgeordneter aus unserem Kreis in den Landtag gewählt.1903 wurde mit Dr. Hugo Lindemann der erste sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete in Göppingen gewählt.1910 war die SPD die stärkste Partei im damaligen 10. Wahlkreis.
Am 13.8.1911 fand in Göppingen eine Veranstaltung mit dem preußischen Landtagsabgeordneten Dr. Karl Liebknecht zur damaligen "Marokkokrise“ statt (das deutsche Kanonenboot "Panther" hatte Agadir besetzt und damit das Verhältnis zu Frankreich in die Nähe eines Krieges gebracht).
Die Göppinger SPD hat das 120-jährige Bestehen im Herbst 1989 und das 125-jährige Bestehen im Herbst 1994 in der Stadthalle mit Festrednern und ca. 700 Besuchern gefeiert.
Im Jahr 2009 begeht unser Ortsverein mithin sein 140-jähriges Bestehen.
Feier zum 120-jährigen Bestehen am 24. September 1989:
"Die Göppinger SPD hat im Lande immer eine besondere Rolle gespielt"
Bei seiner Festrede zum 120-jährigen Bestehen wurden vom SPD-Parteivorsitzenden Hans-Jochen Vogel die Leistungen von Göppinger Sozialdemokraten gewürdigt: Karl Riegel (MdL 1950 – 1961, MdB 1961 – 1969) habe die Göppinger SPD in der Nachkriegszeit ganz "entscheidend geprägt" und sich ganz besonders um die Eingliederung von Flüchtlingen verdient gemacht. Heinz Rapp habe nicht nur "großartige Leistungen als Bundestagsabgeordneter 1972 bis 1987 erbracht, sondern er hat auch immer programmatische Anstöße in der Grundwertekommission gegeben". Hans Mayr, früher IG-Metall-Bevollmächtigter in Göppingen und als Nachfolger von Karl Riegel Landtagsabgeordneter (1961 – 1964), später Erster Vorsitzender der IG Metall, war laut Hans -Jochen Vogel "die Verkörperung aller guten Elemente der deutschen Arbeiterbewegung".
Der Landtagsabgeordnete und Ortsvereinsvorsitzende Frieder Birzele wies in seiner Rede u.a. darauf hin, dass die Göppinger SPD zweimal reichsweit Beachtung gefunden hat. Zum einen, als Christoph Blumhardt - damals Pfarrer in Bad Boll, dessen Kurhaus erste Adresse für die Kranken des deutschen und europäischen Adels war - für die SPD kandidierte und mit absoluter Mehrheit der Stimmen im zweiten Wahlgang in den Landtag gewählt wurde (1900 bis 1906). Blumhardts Credo war: "Gott will auch die soziale Frage lösen. Deshalb bin ich Sozialist. Und ehe die soziale Frage nicht gelöst wird, hat unser Christentum die Höhe nicht erreicht." Zum andern erregte die so genannte "Göppinger Affäre" Aufsehen. Es handelte sich um einen Streit zwischen Reformern und Radikalen in der parteieigenen "Freien Volkszeitung" (Herausgeber Dr. August Thalheimer und Karl Radek). In und durch diesen Konflikt spiegelte sich die Spaltung der Arbeiterschaft.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde am 8. November 1918 auch in Göppingen ein Arbeiterrat gebildet. Erster Vorsitzender war Georg Rohrer, SPD- Stadtrat und Redakteur der Freien Volkszeitung. Zusammen mit Gottfried Kinkel (bis 1922 USPD, dann SPD), der schon 1910 bis 1912 Landtagsabgeordneter war, organisierte er auf dem Marktplatz den Ausruf der Republik. Gottfried Kinkel war die dominierende politische Persönlichkeit der SPD in der Weimarer Zeit und Landtagsabgeordneter von 1920 bis 1931. Nach Georg Bronnenmayer, Gottfried Kinkel und Karl Frasch (langjähriger SPD-Stadtrat und Fraktionsvorsitzender) wurden in Göppingen Straßen benannt. An Karl Riegel erinnert eine Wegebenennung an der Klinik im Eichert, deren Bau er maßgeblich mit vorangebracht hat.
Feier zum 125-jährigen Bestehen am 25.09.1994.
Die Festredner beim 125-jährigen Bestehen waren der SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Ulrich Maurer, der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Manuel Torrecillas -Toso, Baubür-germeister Reinhard Schuckenböhmer, SPD-Gemeinderatsfraktionsvorsitzender Werner Stepanek und der SPD-Landtagsabgeordnete und baden-württembergische Innenminister Frieder Birzele. Die dafür geschaffene Ausstellung würdigte die Mandatsträger und hob das Thema Frauen in der SPD hervor. Als erste Frau wurde 1922 Mathilde Brückner mit überwältigender Mehrheit für sechs Jahre in den Göppinger Gemeinderat gewählt. Bei der Folgewahl erhielt sie die höchste Stimmenzahl.1932 wurde sie in den Landtag gewählt. Das Mandat endete mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Ihr Mann, Julius Brückner, hat sich Verdienste bei der "Sozialistischen Arbeiterjugend" erworben, wo er bald den Ehrennamen "Vater Brückner" trug, weil er sich der persönlichen, religiösen und politischen Probleme der jungen Menschen annahm. Vier weitere Frauen spielten nach 1945 eine wichtige Rolle im Gemeinderat: Maria Jäger-Schließer, Elise Herbolzheimer, Anneliese Wagner und Meta Wild.
Mandatsträger in Göppingen:
Baubürgermeister Reinhard Schuckenböhmer (1974 - 1998), 1. Bürgermeister Jürgen Lämmle (seit 1998), Oberbürgermeister Guido Till (seit 2005), die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat - nach 1945: Wilhelm Brixel, Karl Frasch (zusätzlich Führung der Volks-bühne und DAG Geschäftsführer), Hans Bernlöhr, Werner Stepanek, Dr. Erwin Singer, Antje Grebner und die Ortsvereinsvorsitzenden - nach1945: Wilhelm Brixel, Alfred Kienle, Max Wagner, Karl Riegel, Willy Kayser, Willi von Helden, Walter Kuhn, Hans Sigmund, Frieder Birzele, Manuel Torrecillas-Toso, Antje Grebner, Peter Kunze und seit 2008 Uwe Bidlingmaier.
Fraktionsvorsitzende im Kreistag: Karl Riegel, Dieter Riegel, Wolfgang Fischer, Wolfgang Hellstern, seit 1984 Peter Feige.
Bundestagsabgeordnete: Karl Riegel (1961 - 1969), Heinz Rapp (1972 - 1987), Dr. Marliese Dobberthin (1988/1989, später Staatsrätin im Hamburger Senat), seit 2002 Walter Riester, Bundesarbeitsminister a. D.
Landtagsabgeordnete: Jakob Harder (1920), Gottfried Kinkel (1910 - 1912, 1920 - 1931), Georg Preßmar (1919/1920), Mathilde Brückner (1919/1920, 1932/1933), - nach 1945 -: Dr. Eugen Barthelmess (1946), Dr. Karl Kienle (1946 - 1950), Karl Aberle (1950 – 1952, Mit-Lizenznehmer NWZ), Karl Riegel (1950 - 1961), Hans Mayr (1961 - 1964), Willi von Helden (1964 - 1976), Frieder Birzele (MdL1976 - 2006, BW- Innenminister 1992 - 1996, Landtagsvizepräsident 1996 – 2006), seit 2006 Peter Hofelich.
Unsere letzten drei Kreisvorsitzenden: Dr. Witgar Weber (bei der Bundestagswahl 1998 verpasste er mit nur ganz wenigen Stimmen das Direktmandat im Wahlkreis GP), Dr. Heide Kottmann, seit 2007 Sascha Binder.
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